Optionshandel ABC: Der Cash Secured Put

Optionshandel ABC: Der Cash Secured Put

In Teil #3 der Artikelserie Optionshandel ABC, kommen wir heute zu den Optionen allgemein und speziell zum Put (Die Verkaufsoption). Meine bevorzugten Variante davon: Der Cash Secured Put!

Die Artikelserie Optionshandel ABC ist für den Anfänger und Interessierten gedacht, der gern in den Optionshandel einsteigen würde, aber nicht so recht weiß, wo fange ich überhaupt an. Ich versuche hiermit einen möglichst aufs Wesentliche reduzierten Weg aufzuzeigen, um zeitnah seinen ersten Trade zu platzieren.

Ich bin nämlich ein Fan von Learning By Doing!

Der grobe Fahrplan könnte so ausschauen:

Nach der Einführung in die Grundlagen und der Erklärung zu den Stillhaltergeschäften kommen wir nun zur eigentlichen Option und den zwei Varianten, die in meiner Strategie bevorzugt angewendet werden.

Okay bevor es losgeht, was ist eigentlich eine Option?

Grundsätzlich habe ich bereits erklärt, dass eine Option eine Art Versicherung für den Optionskäufer ist. Der Optionsverkäufer, also wir als Stillhalter, nimmt dabei die Position der Versicherung ein.

Aber vielleicht nehmen wir einfach mal ein anderes Wort, um es allgemeiner zu fassen. Eine Option ist eine Vereinbarung.

Die Vereinbarung besteht zwischen dem Käufer und dem Verkäufer in Bezug auf:

  • einen entsprechenden Basiswert (Underlying)
  • zu einem festgelegten Termin, sprich Verfallstag (Expiration Day)
  • zu einem festgelegten Preis, sprich Basispreis (Strike)
  • zu kaufen (Kaufoption = Call Option) oder zu verkaufen (Verkaufsoption = Put Option)

Für dieses Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer einen Optionspreis, die sogenannte Prämie (Premium). Und genau diese Prämie möchten wir kassieren und damit einen regelmäßigen Cashflow generieren. Wir wollen also, wie in Teil #2 zu den Stillhaltergeschäften beschrieben, auf der Verkäuferseite als Stillhalter aktiv werden.

Das Recht des Käufers ist dabei aber nicht gleichzeitig eine Pflicht. Heißt, der Optionskäufer kann die Option ausführen, muss dies aber nicht tun. Er hat die freie Wahl. Dafür muss er die Prämie zahlen.

Umgekehrte muss der Verkäufer aber jederzeit der Ausübung einer Option nachkommen, sprich wenn der Käufer sein Recht beansprucht. Die Pflicht ist also immer auf der Verkäuferseite. Er hat hier keine Wahl. Dafür kassiert er die Prämie.

In Teil #1 bereits kurz angerissen, es gibt Optionen auf die unterschiedlichsten Basiswerte. Da hätten wir zum Beispiel:

  • Rohstoffe, z. b. Öl oder Edelmetall
  • Agrarprodukte, z. b. Getreide oder Fleisch
  • Strom
  • Aktien
  • ETFs
  • Währungen
  • Anleihen
  • Futures

Es gibt noch ein paar kuriose wie z. b. für den CO2-Ausstoß, aber all das interessiert uns hier nicht.

Wir konzentrieren uns allein auf Aktienoptionen!

Anhand der obigen Erklärungen wird deutlich, eine Option ist kein Wertpapier. Eine Option ist ein Termingeschäft und wird aufgrund der Tatsache, dass der Optionspreis stark von der Preisentwicklung des Basiswertes abhängt und Bewegungen dessen mit einem gewissen Hebel mitmacht, auch den Derivaten zugeordnet.

Auch wenn man das wissen sollte, für unseren Optionshandel spielt diese Unterscheidung bzw. Einordnung keine Rolle. Dieses Wissen gehört also in die Rubrik Fun Facts.

An dieser Stelle nochmals der Hinweis, verwechselt bitte Optionen nicht mit den im deutschsprachigen Raum eher gebräuchlichen Optionsscheinen. Ich hatte bereits den Unterschied in Teil #1 erklärt. Hier die Kurzform zur Erinnerung: Optionen Yeah, Optionsscheine Bäh!

Die Verkaufsoption. Der Put!

Kommen wir zum eigentlichen Kern, der Option selbst. Wir wissen, es gibt Kaufoptionen und Verkaufsoptionen. Calls und Puts. Wir konzentrieren uns heute auf den Put, also die Verkaufsoption.

Und es gibt Käufer und Verkäufer, somit jemanden der Long im Basiswert ist (Käufer = Long) und jemand der Short im Basiswert ist (Verkäufer = Short).

Damit gibt es für einen Put zwei Bezeichnungen: Einen Long Put (Käuferseite) und einen Short Put (Verkäuferseite).

Die Käuferseite:

Der Käufer eines Put geht mit dem Kauf eine Long Position ein, also er ist Long im Put, und zahlt dafür den aktuellen Optionspreis (die Prämie). Er hat ab jetzt das Recht, aber wie bereits erklärt nicht die Pflicht, den Basiswert (die Aktie) zum vereinbarten Preis zu verkaufen.

Die Prämie geht an den Optionsverkäufer.

Die Verkäuferseite:

Der Verkäufer eines Put geht mit dem Verkauf eine Short Position ein, also er ist Short im Put, und erhält dafür den aktuellen Optionspreis (die Prämie). Er hat ab jetzt die Pflicht, den Basiswert (die Aktie) zum vereinbarten Preis zu kaufen. Wurde die Put Option bis zum Verfallstag nicht ausgeübt, dann verfällt die Option und damit die Pflicht.

Übrigens, ich lasse in der Regel die Bezeichnung Long oder Short weg, da ich sie verwirrend finde. Aus dem Kontext heraus ergibt sich eigentlich immer, ob ich vom Käufer oder Verkäufer spreche.

Der Verkäufer behält in jedem Fall die Prämie!

Dabei ist es völlig egal, ob die Option zur Ausübung kommt oder nicht. Man kann sagen, wir wurden für das übernommene Risiko während der Laufzeit entlohnt.

Endlich, der Cash Secured Put!

Da wir nun wissen, was ein Put ist, ist es relativ simpel eine logische Brücke zum Cash Secured Put zu bauen. Wir treten ja beim Optionshandel als Verkäufer auf, haben also die Pflicht, die Aktien während der Laufzeit jederzeit zum vereinbarten Preis zu kaufen. Haben wir das Geld auf dem Depotkonto, dann ist dieser Kauf gedeckt. Man spricht dann von covered bzw. cash secured, somit vom Cash Secured Put.

Die Bank bzw. der Broker prüft übrigens beim Optionsverkauf vorher nicht, ob du das Geld für die Ausübung hast oder nicht. Hast du das Geld nicht, spricht man von einem ungedeckten bzw. uncovered oder auch Naked Put.

Das Risiko liegt hier in der Tatsache, dass du je nach Konto ggf. auf Margin handelst und dir bei zu vielen Ausübungen und zu wenig Geld, den sogenannten Margin Call einfangen kannst. Ich gehe jetzt hier nicht auf dieses negative Ereignis ein. Zum Thema Margin hat Chri auf seinem Blog easydividend.net einen informativen Artikel geschrieben. Schau mal rein, wenn dich das Thema interessiert.

Wir merken uns hier und jetzt nur, du möchtest niemals einen Margin Call erleben. Es wird nicht gut ausgehen, also Finger weg!

Okay, die Verbindung ist damit hergestellt. Hast du das Geld parat für die (vielleicht eintretende) Ausübung, dann spricht man von einem Cash Secured Put. In dem Fall ist dein Risiko limitiert und zwar auf die Höhe des Preises des Basiswertes abzgl. der Prämie.

Das ist, was du willst!

Überschaubares Risiko bei sehr guter und hoffentlich überdurchschnittlicher Rendite.

// Praxisbeispiel

Wir verkaufen eine Put Option auf die Aktie von Realty Income (O).

Der Kurs steht aktuell bei 57,- USD. Den Strike wählen wir bei 55,- USD, somit ist Kapital im Einsatz in Höhe von 5.500,- USD, da im Falle der Ausübung 100 Stück der Aktie über die Option gekauft werden müssen. Die Prämie dafür beträgt 1,- USD, somit 100,- USD in Summe (da 100 Stück) und der Verfallstag ist in 30 Tagen.

Wir streichen 100,- USD ein und warten 30 Tage ab, was passiert.

Das Risiko liegt darin, dass der Kurs von O unter den Strike von 55,- USD sinkt. Sollte dies zum Verfallstag so sein, dann wird der Optionskäufer sein Recht wahrnehmen und die Option ausüben. Wir bekommen dann 100 Stück von O ins Depot gebucht und bezahlen dafür 5.500,- USD, egal wie der echte Kurs zu der Zeit ist.

Abzüglich der 100,- USD Prämie, haben wir also 5.400,- USD maximales Risiko, da die Aktie ja rein theoretisch auf 0,- USD fallen kann. Dies wird aber in der Praxis so nicht vorkommen bzw. du wirst vorher reagieren und die Option ggf. vorher mit weitaus geringerem Verlust zurückkaufen.

Du gewinnst bei dem Trade, wenn der Kurs zum Verfallstag über dem Strike von 55,- USD liegt.

Eigentlich gewinnst du sogar bis zu einem Kurs von 54,- USD am Verfallstag, da du die Prämie ja auf jeden Fall behalten kannst. Dein Strike liegt zwar bei 55,- USD, aber abzgl. der Prämie von 1,- USD, ist der zu zahlende Preis bei Ausübung halt bei 54,- USD respektive 5.400,- USD.

Dein Puffer ist dabei 3,- USD, da aktueller Kurs von 57,- USD gegen Strike abzgl. Prämie gleich 54,- USD. Der Kurs könnte also um ca. 5% fallen, bevor wir in die kritische Zone rutschen.

Die Rendite bei Verfall der Option beträgt 1,8% auf 30 Tage oder knapp 22% aufs Jahr gerechnet.

Erst unter einem Kurs von 54,- USD am Verfallstag verlierst du.

Verlieren heißt in dem Fall, du bekommst die Aktie eingebucht und hast ggf. einen Buchverlust stehen.

Das Ganze ist ohne Steuern und Gebühren gerechnet, um es einfach zu halten. Das Beispiel soll der Veranschaulichung dienen.

Stillhalter sind in der Regel die Gewinner!

Als Verkäufer und Stillhalter bei Puts gewinnen wir in 2 von 3 Szenarien.

Gewinnerseite:

  • Der Preis bleibt gleich oder fällt nur leicht
  • Der Preis steigt

Verliererseite:

  • Der Preis fällt unter den Strike (vereinbarter Preis)

Die Strategie funktioniert somit optimal in steigenden oder schwankenden Märkten. Sie funktioniert sogar besser, je stärker die Märkte schwanken. Stichwort Volatilität (Volatility).

Je stärker die Schwankungen, je höher die Prämien!

Ich glaube, ich muss noch ein extra Kapitel in diese Artikelserie Optionshandel ABC zum Thema Volatilität einbauen, denn die Volatilität ist der beste Freund des Stillhalters.

Aber ab und zu verlieren wir. Was passiert dann?

Don’t Panic! Ich werde in Teil #5 und #6 noch detailliert darauf eingehen.

Hier und jetzt nur so viel, verkaufe möglichst ausschließlich oder wenigstens zum größten Teil Cash Secured Put Optionen nur auf Aktien, die du auch so für dein Aktiendepot (Anregung findest du z. b. in meinem Dividendenaktiendepot) kaufen würdest. Denn das Schlimmste, was dir dann passiert kann ist, dass dir gute Aktien von soliden Unternehmen eingebucht werden, wo du dich über tolle Dividendenerträge freuen kannst. Klingt das schlimm?

An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das minus 1 auszuhalten.

— André Kostolany

Du kannst die Ausübung aber auch abwenden, dich sozusagen der Verpflichtung entziehen. Nun wie bereits gesagt, dazu später mehr.

Und das Beste daran, die Prämie behältst du auf jeden Fall!

Bei den meisten Brokern, so auch bei meinem Optionskonto bei Interactive Brokers (das Depot habe ich über Banxbrokers* eröffnet und den Laden kann ich echt empfehlen, du handelst hier Optionen bereits ab 2,- EUR bzw. 3,50 USD) ist es so, dass dir die Prämie auf den Einstandspreis angerechnet wird.

Basis ist das oben aufgezeigte Beispiel von Realty Income (O). Obwohl die Option zum Preis von 55,- USD ausgeübt wird, wirst du in deiner Abrechnung einen Einstandspreis der Aktie von 54,- USD vorfinden. Dies kommt einfach von der Tatsache, dass der Strike nicht 1:1 in den Einstandspreis umgewandelt wird, sonder abzgl. der Prämie angenommen wird.

Dies bedeutet, dass dir im Fall der Ausübung nicht wirklich die 100,- USD an Prämie zugeflossen sind. Dafür hast du aber die Aktie um die Prämie vergünstigt eingebucht bekommen.

Somit realisierst du deinen Gewinn, oder aber auch deinen Verlust erst, wenn du die Aktienposition verkaufst, sprich glattstellst. Du hast damit ein weiteres Mittel, um deinen Gewinn bzw. Verlust zu kontrollieren, nämlich das Timing für den Verkauf der Aktien!

Mhhh … diese Eigenart der internationalen Broker ist mit dem deutschen Steuergesetz nicht ganz im Einklang. Da zählt die Prämie nämlich immer als Geldzufluss, egal ob ausgeübt wurde oder nicht. Okay, schon wieder eine neue Idee für einen Artikel 🙂 !

Somit ist der Cash Secured Put auch eine tolle Strategie, sein Aktiendepot günstiger aufzubauen bzw. auszubauen, als über eine normale Kauforder (Order) oder eine Kauforder mit Limit (Limit Order).

Denn wer mag es nicht, Aktien billiger zu kaufen?

Am Beispiel vom oben genannten O sehen wir, dass man die Aktie statt für 55,- USD bereits für 54,- USD bekommt. Einzeln betrachtet nicht die Welt, aber zumindest die Gebühren hat man meistens raus und in Summe kommt über die Jahre doch so einiges zusammen.

Gut, das soll es dann für heute gewesen sein. Wer die ganzen Begriffe nochmal nachlesen möchte, schaut einfach in das Buch Strategisch Investieren mit Aktienoptionen* von Dr. Peter Putz. Meine Buchempfehlung für Einsteiger in den Optionshandel.

Im nächsten Teil schauen wir uns dann die Kaufoption an und warum der Covered Call der Rendite-Booster für dein Aktiendepot sein kann!

 

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