Optionshandel ABC: Der Cash Secured Put

Optionshandel ABC: Der Cash Secured Put

In Teil #3 der Artikelserie Optionshandel ABC, kommen wir heute zu den Optionen allgemein und speziell zum Put (Die Verkaufsoption). Meine bevorzugten Variante davon: Der Cash Secured Put!

Die Artikelserie Optionshandel ABC ist für den Anfänger und Interessierten gedacht, der gern in den Optionshandel einsteigen würde, aber nicht so recht weiß, wo fange ich überhaupt an. Ich versuche hiermit einen möglichst aufs Wesentliche reduzierten Weg aufzuzeigen, um zeitnah seinen ersten Trade zu platzieren.

Ich bin nämlich ein Fan von Learning By Doing!

Der grobe Fahrplan könnte so ausschauen:

Nach der Einführung in die Grundlagen und der Erklärung zu den Stillhaltergeschäften kommen wir nun zur eigentlichen Option und den zwei Varianten, die in meiner Strategie bevorzugt angewendet werden.

Okay bevor es losgeht, was ist eigentlich eine Option?

Grundsätzlich habe ich bereits erklärt, dass eine Option eine Art Versicherung für den Optionskäufer ist. Der Optionsverkäufer, also wir als Stillhalter, nimmt dabei die Position der Versicherung ein.

Aber vielleicht nehmen wir einfach mal ein anderes Wort, um es allgemeiner zu fassen. Eine Option ist eine Vereinbarung.

Die Vereinbarung besteht zwischen dem Käufer und dem Verkäufer in Bezug auf:

  • einen entsprechenden Basiswert (Underlying)
  • zu einem festgelegten Termin, sprich Verfallstag (Expiration Day)
  • zu einem festgelegten Preis, sprich Basispreis (Strike)
  • zu kaufen (Kaufoption = Call Option) oder zu verkaufen (Verkaufsoption = Put Option)

Für dieses Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer einen Optionspreis, die sogenannte Prämie (Premium). Und genau diese Prämie möchten wir kassieren und damit einen regelmäßigen Cashflow generieren. Wir wollen also, wie in Teil #2 zu den Stillhaltergeschäften beschrieben, auf der Verkäuferseite als Stillhalter aktiv werden.

Das Recht des Käufers ist dabei aber nicht gleichzeitig eine Pflicht. Heißt, der Optionskäufer kann die Option ausführen, muss dies aber nicht tun. Er hat die freie Wahl. Dafür muss er die Prämie zahlen.

Umgekehrte muss der Verkäufer aber jederzeit der Ausübung einer Option nachkommen, sprich wenn der Käufer sein Recht beansprucht. Die Pflicht ist also immer auf der Verkäuferseite. Er hat hier keine Wahl. Dafür kassiert er die Prämie.

In Teil #1 bereits kurz angerissen, es gibt Optionen auf die unterschiedlichsten Basiswerte. Da hätten wir zum Beispiel:

  • Rohstoffe, z. b. Öl oder Edelmetall
  • Agrarprodukte, z. b. Getreide oder Fleisch
  • Strom
  • Aktien
  • ETFs
  • Währungen
  • Anleihen
  • Futures

Es gibt noch ein paar kuriose wie z. b. für den CO2-Ausstoß, aber all das interessiert uns hier nicht.

Wir konzentrieren uns allein auf Aktienoptionen!

Anhand der obigen Erklärungen wird deutlich, eine Option ist kein Wertpapier. Eine Option ist ein Termingeschäft und wird aufgrund der Tatsache, dass der Optionspreis stark von der Preisentwicklung des Basiswertes abhängt und Bewegungen dessen mit einem gewissen Hebel mitmacht, auch den Derivaten zugeordnet.

Auch wenn man das wissen sollte, für unseren Optionshandel spielt diese Unterscheidung bzw. Einordnung keine Rolle. Dieses Wissen gehört also in die Rubrik Fun Facts.

An dieser Stelle nochmals der Hinweis, verwechselt bitte Optionen nicht mit den im deutschsprachigen Raum eher gebräuchlichen Optionsscheinen. Ich hatte bereits den Unterschied in Teil #1 erklärt. Hier die Kurzform zur Erinnerung: Optionen Yeah, Optionsscheine Bäh!

Die Verkaufsoption. Der Put!

Kommen wir zum eigentlichen Kern, der Option selbst. Wir wissen, es gibt Kaufoptionen und Verkaufsoptionen. Calls und Puts. Wir konzentrieren uns heute auf den Put, also die Verkaufsoption.

Und es gibt Käufer und Verkäufer, somit jemanden der Long im Basiswert ist (Käufer = Long) und jemand der Short im Basiswert ist (Verkäufer = Short).

Damit gibt es für einen Put zwei Bezeichnungen: Einen Long Put (Käuferseite) und einen Short Put (Verkäuferseite).

Die Käuferseite:

Der Käufer eines Put geht mit dem Kauf eine Long Position ein, also er ist Long im Put, und zahlt dafür den aktuellen Optionspreis (die Prämie). Er hat ab jetzt das Recht, aber wie bereits erklärt nicht die Pflicht, den Basiswert (die Aktie) zum vereinbarten Preis zu verkaufen.

Die Prämie geht an den Optionsverkäufer.

Die Verkäuferseite:

Der Verkäufer eines Put geht mit dem Verkauf eine Short Position ein, also er ist Short im Put, und erhält dafür den aktuellen Optionspreis (die Prämie). Er hat ab jetzt die Pflicht, den Basiswert (die Aktie) zum vereinbarten Preis zu kaufen. Wurde die Put Option bis zum Verfallstag nicht ausgeübt, dann verfällt die Option und damit die Pflicht.

Übrigens, ich lasse in der Regel die Bezeichnung Long oder Short weg, da ich sie verwirrend finde. Aus dem Kontext heraus ergibt sich eigentlich immer, ob ich vom Käufer oder Verkäufer spreche.

Der Verkäufer behält in jedem Fall die Prämie!

Dabei ist es völlig egal, ob die Option zur Ausübung kommt oder nicht. Man kann sagen, wir wurden für das übernommene Risiko während der Laufzeit entlohnt.

Endlich, der Cash Secured Put!

Da wir nun wissen, was ein Put ist, ist es relativ simpel eine logische Brücke zum Cash Secured Put zu bauen. Wir treten ja beim Optionshandel als Verkäufer auf, haben also die Pflicht, die Aktien während der Laufzeit jederzeit zum vereinbarten Preis zu kaufen. Haben wir das Geld auf dem Depotkonto, dann ist dieser Kauf gedeckt. Man spricht dann von covered bzw. cash secured, somit vom Cash Secured Put.

Die Bank bzw. der Broker prüft übrigens beim Optionsverkauf vorher nicht, ob du das Geld für die Ausübung hast oder nicht. Hast du das Geld nicht, spricht man von einem ungedeckten bzw. uncovered oder auch Naked Put.

Anmerkung: Das Risiko liegt hier in der Tatsache, dass du je nach Konto ggf. auf Margin handelst und dir bei zu vielen Ausübungen und zu wenig Geld, den sogenannten Margin Call einfangen kannst. Ich gehe jetzt hier nicht auf dieses negative Ereignis ein. Zum Thema Margin hat Chri auf seinem Blog easydividend.net einen informativen Artikel geschrieben. Schau mal rein, wenn dich das Thema interessiert.

Wir merken uns hier und jetzt nur, du möchtest niemals einen Margin Call erleben. Es wird nicht gut ausgehen, also Finger weg!

Okay, die Verbindung ist damit hergestellt. Hast du das Geld parat für die (vielleicht eintretende) Ausübung, dann spricht man von einem Cash Secured Put. In dem Fall ist dein Risiko limitiert und zwar auf die Höhe des Preises des Basiswertes abzgl. der Prämie.

Das ist, was du willst!

Überschaubares Risiko bei sehr guter und hoffentlich überdurchschnittlicher Rendite.

// Praxisbeispiel

Wir verkaufen eine Put Option auf die Aktie von Realty Income (O).

Der Kurs steht aktuell bei 57,- USD. Den Strike wählen wir bei 55,- USD, somit ist Kapital im Einsatz in Höhe von 5.500,- USD, da im Falle der Ausübung 100 Stück der Aktie über die Option gekauft werden müssen. Die Prämie dafür beträgt 1,- USD, somit 100,- USD in Summe (da 100 Stück) und der Verfallstag ist in 30 Tagen.

Wir streichen 100,- USD ein und warten 30 Tage ab, was passiert.

Das Risiko liegt darin, dass der Kurs von O unter den Strike von 55,- USD sinkt. Sollte dies zum Verfallstag so sein, dann wird der Optionskäufer sein Recht wahrnehmen und die Option ausüben. Wir bekommen dann 100 Stück von O ins Depot gebucht und bezahlen dafür 5.500,- USD, egal wie der echte Kurs zu der Zeit ist.

Abzüglich der 100,- USD Prämie, haben wir also 5.400,- USD maximales Risiko, da die Aktie ja rein theoretisch auf 0,- USD fallen kann. Dies wird aber in der Praxis so nicht vorkommen bzw. du wirst vorher reagieren und die Option ggf. vorher mit weitaus geringerem Verlust zurückkaufen.

Du gewinnst bei dem Trade, wenn der Kurs zum Verfallstag über dem Strike von 55,- USD liegt.

Eigentlich gewinnst du sogar bis zu einem Kurs von 54,- USD am Verfallstag, da du die Prämie ja auf jeden Fall behalten kannst. Dein Strike liegt zwar bei 55,- USD, aber abzgl. der Prämie von 1,- USD, ist der zu zahlende Preis bei Ausübung halt bei 54,- USD respektive 5.400,- USD.

Dein Puffer ist dabei 3,- USD, da aktueller Kurs von 57,- USD gegen Strike abzgl. Prämie gleich 54,- USD. Der Kurs könnte also um ca. 5% fallen, bevor wir in die kritische Zone rutschen.

Die Rendite bei Verfall der Option beträgt 1,8% auf 30 Tage oder knapp 22% aufs Jahr gerechnet.

Erst unter einem Kurs von 54,- USD am Verfallstag verlierst du.

Verlieren heißt in dem Fall, du bekommst die Aktie eingebucht und hast ggf. einen Buchverlust stehen.

Das Ganze ist ohne Steuern und Gebühren gerechnet, um es einfach zu halten. Das Beispiel soll der Veranschaulichung dienen.

Stillhalter sind in der Regel die Gewinner!

Als Verkäufer und Stillhalter bei Puts gewinnen wir in 2 von 3 Szenarien.

Gewinnerseite:

  • Der Preis bleibt gleich oder fällt nur leicht
  • Der Preis steigt

Verliererseite:

  • Der Preis fällt unter den Strike (vereinbarter Preis)

Die Strategie funktioniert somit optimal in steigenden oder schwankenden Märkten. Sie funktioniert sogar besser, je stärker die Märkte schwanken. Stichwort Volatilität (Volatility).

Je stärker die Schwankungen, je höher die Prämien!

Ich glaube, ich muss noch ein extra Kapitel in diese Artikelserie Optionshandel ABC zum Thema Volatilität einbauen, denn die Volatilität ist der beste Freund des Stillhalters.

Aber ab und zu verlieren wir. Was passiert dann?

Don’t Panic! Ich werde in Teil #5 und #6 noch detailliert darauf eingehen.

Hier und jetzt nur so viel, verkaufe möglichst ausschließlich oder wenigstens zum größten Teil Cash Secured Put Optionen nur auf Aktien, die du auch so für dein Aktiendepot (Anregung findest du z. b. in meinem Dividendenaktiendepot) kaufen würdest. Denn das Schlimmste, was dir dann passiert kann ist, dass dir gute Aktien von soliden Unternehmen eingebucht werden, wo du dich über tolle Dividendenerträge freuen kannst. Klingt das schlimm?

An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das minus 1 auszuhalten.

— André Kostolany

Du kannst die Ausübung aber auch abwenden, dich sozusagen der Verpflichtung entziehen. Nun wie bereits gesagt, dazu später mehr.

Und das Beste daran, die Prämie behältst du auf jeden Fall!

Bei den meisten Brokern, so auch bei meinem Optionskonto bei Interactive Brokers (das Depot habe ich über Banxbrokers* eröffnet und den Laden kann ich echt empfehlen, du handelst hier Optionen bereits ab 2,- EUR bzw. 3,50 USD) ist es so, dass dir die Prämie auf den Einstandspreis angerechnet wird.

Basis ist das oben aufgezeigte Beispiel von Realty Income (O). Obwohl die Option zum Preis von 55,- USD ausgeübt wird, wirst du in deiner Abrechnung einen Einstandspreis der Aktie von 54,- USD vorfinden. Dies kommt einfach von der Tatsache, dass der Strike nicht 1:1 in den Einstandspreis umgewandelt wird, sonder abzgl. der Prämie angenommen wird.

Dies bedeutet, dass dir im Fall der Ausübung nicht wirklich die 100,- USD an Prämie zugeflossen sind. Dafür hast du aber die Aktie um die Prämie vergünstigt eingebucht bekommen.

Somit realisierst du deinen Gewinn, oder aber auch deinen Verlust erst, wenn du die Aktienposition verkaufst, sprich glattstellst. Du hast damit ein weiteres Mittel, um deinen Gewinn bzw. Verlust zu kontrollieren, nämlich das Timing für den Verkauf der Aktien!

Anmerkung: Diese Eigenart der internationalen Broker ist mit dem deutschen Steuergesetz nicht ganz im Einklang. Da zählt die Prämie nämlich immer als Geldzufluss, egal ob ausgeübt wurde oder nicht. Okay, schon wieder eine neue Idee für einen Artikel 🙂 !

Somit ist der Cash Secured Put auch eine tolle Strategie, sein Aktiendepot günstiger aufzubauen bzw. auszubauen, als über eine normale Kauforder (Order) oder eine Kauforder mit Limit (Limit Order).

Denn wer mag es nicht, Aktien billiger zu kaufen?

Am Beispiel vom oben genannten O sehen wir, dass man die Aktie statt für 55,- USD bereits für 54,- USD bekommt. Einzeln betrachtet nicht die Welt, aber zumindest die Gebühren hat man meistens raus und in Summe kommt über die Jahre doch so einiges zusammen.

Gut, das soll es dann für heute gewesen sein. Wer die ganzen Begriffe nochmal nachlesen möchte, schaut einfach in das Buch Strategisch Investieren mit Aktienoptionen*von Dr. Peter Putz. Meine Buchempfehlung für Einsteiger in den Optionshandel.

Im nächsten Teil schauen wir uns dann die Kaufoption an und warum der Covered Call der Rendite-Booster für dein Aktiendepot sein kann!


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14 Comments
  1. Hi Ingo,
    bin zufällig auf deinen Blog gestoßen und möchte mich für die tollen Infos und Tipps bedanken, die du hier weitergibst.
    Ich würde gerne eine ähnliche Strategie fahren und zukünftig Optionen schreiben um meine Dividendenaktien günstiger zu erwerben.
    Allerdings habe ich ein bisschen Respekt vor dem Margin Konto. Macht es nicht Sinn für jemanden wie mich, der volle Kostenkontrolle behalten will und mit relativ geringem Budget (5000—10.000€) anfängt, das Cash Konto bei einem der Broker zu benutzen. Somit hätte ich nie die Gefahr eines Margin Call und auch die Zeitversetzung macht mir wenig aus.
    Oder gehen mir da zu viele Vorteile durch die Finger?
    Würde mich über eine Antwort freuen!
    Grüße

    1. Hi Jannik!

      Danke für deine Fragen.

      Natürlich kannst du auch ein reines Cash-Konto nehmen. Der Nachteil wäre halt, es dauert immer ein wenig (manchmal 2-3 Tage habe ich gelesen), bis bestimmte Beträge gutgeschrieben bzw. abgebucht sind. Erst dann kannst ggf. darüber verfügen.

      Daraus ergibt sich der Nachteil, dass du evtl. eine gute Gelegenheit verpassen könntest. Das wäre aber meines Wissens nach alles.

      Du brauchst aber auch keine Angst vor dem Margin-Konto haben, wenn du rational bleibst. Wenn du z. b. nur 10.000,- EUR auf dem Konto hast, dann handele auch nur im Rahmen von 10.000,- EUR. Damit ist ein Margin-Call auch ausgeschlossen.

      Egal wie du dich entscheidest, Hauptsache du probierst es. Du kannst auch später den Kontotyp ändern. Habe ich selbst noch nicht gemacht, aber lt. FAQ geht es.

      Viel Spaß!

      CU Ingo.

  2. Hallo Ingo,

    vielen Dank für deine sehr informative Webseite.

    Wo ich mir noch nicht sicher bin, ob ich es richtig verstanden bzw. den Haken an der Sache noch nicht erkannt habe.

    Angenommen ich habe die Möglichkeit einen Put auf Cisco mit einer Laufzeit von 4 Tagen zu verkaufen (Kurs 44,5 USD Strike 41,50 USD, Prämie 0,29 USD).

    Erhalte ich tatsächlich nach 4 Tagen, falls der Kurs nicht unter 41,50 USD gefallen ist, 29 USD Prämie?

    Vielen Dank und beste Grüße

    Jens

    1. Hi Jens!

      Die 29,- USD erhältst du sofort, nicht erst 4 Tage später. Die Prämie bekommst du immer und kannst du auch immer behalten.

      Entscheidend ist dann am Verfallstag in der Tat, ob der Kurs unter die 41,50 USD fällt. Im Prinzip kann der Käufer der Option bei jedem Preis dir die Aktien andienen. Aber er wird dies nur tun, wenn er damit einen Gewinn machen kann. Und ja, für den Käufer beginnt die Gewinnzone erst unter der Grenze von 41,50 USD. Wenn man ganz genau ist erst bei unter 41,50 USD – 0,29 USD, also bei 41,21 USD 😉 …

      Ob es da einen Haken gibt? Nicht bei der Rechnung wie oben. Die ist sauber und das funktioniert genau wie beschrieben. Wenn es aber auf eine kurze Zeit eine überdurchschnittliche Prämie gibt, dann ist vielleicht etwas anderes (externes) der Grund? Stehen zum Beispiel Quartalszahlen an oder ein anderes Event, was den Kurs kurzfristig stark bewegen könnte? Auf so etwas musst du dann halt achten und das Risiko für dich kalkulieren.

      CU Ingo.

  3. Hi Ingo,

    danke für dein Feedback!

    Kann die Gegenseite mir die Aktien auch während der Laufzeit andienen oder kann dies nur zum Laufzeitende geschehen wenn der Kurs unter dem Strike notiert?

    Am obigen Bsp.:

    Nach zwei Tagen (4 Tage Laufzeit) rutscht der Kurs auf 41,00 USD – der Käufer ist in der Gewinnzone.

    Bin ich jetzt schon verpflichtet im Falle eines Andienens die Aktien zu übernehmen oder kann ich die Kursentwicklung bis zum Ende der Laufzeit abwarten?

    Besten Dank und Grüsse …

    Jens

    1. Hi Jens!

      Freue mich, dass endlich mal einer fragt 🙂 !

      Ob eine Option schon während der Laufzeit ausgeübt werden kann oder nicht, hängt vom Typ der Option ab. Es gibt den Typ „amerikanisch“ und den Typ „europäisch“. Erstere können zu jedem Zeitpunkt ausgeübt werden, also auch vor dem Stichtag bzw. dem Ablaufen der Option. Die Optionen europäischen Typs werden dagegen nur am Stichtag zu einem festgelegten Zeitpunkt abgerechnet.

      Wie der Name schon sagt, die amerikanischen Typen sind eher in Amerika verbreitet und die europäischen halt in Europa. Dies ist aber nur eine Faustregel. In Europa sieht man auch oft den amerikanischen Typ. Umgekehrt ist es eher sehr selten.

      Gehe einfach davon aus, dass du jederzeit ausgeübt werden kannst. Dann wirst du nicht überrascht.

      Bei mir ist dies übrigens bisher genau 2x passiert bei knapp über 70 Trades. Passiert also, aber eher selten und meist dann, wenn es einen großen Absturz in einer Aktie gab und es sich wirklich lohnt für den Optionskäufer. Bei deinem Beispiel besteht da keine Gefahr, würde ich sagen.

      Und als letztes, du bist immer verpflichtet, die Aktien zu nehmen, die dir angedient werden. Du hast dieses Recht an den Optionskäufer verkauft und dafür die Prämie kassiert. Und das passiert genau dann, wenn der Optionskäufer das möchte. Entscheidet er sich also 3 Tage vor Ablauf dazu, dann hast du die Aktien spätestens 2 Tage vor Ablauf in deinem Konto und bist das Geld los.

      Allein aus letzterem Grund ist es beim Optionshandel von Vorteil, wenn man sich eine Routine aufbaut, jeden Tag einmal kurz sein Optionskonto zu prüfen, wenn man Optionen laufen hat. Dann kann man immer zügig reagieren, sollte das der Fall sein.

      Das ist meiner Meinung nach auch der einzige echte Nachteil von Optionen, es ist ein aktives Handeln erforderlich. Passiv ist es leider nicht wirklich möglich.

      CU Ingo.

    2. Hallo Jens,

      der Käufer der Option kann sie jederzeit ausüben (https://www.youtube.com/watch?v=U6HnbiI86Vk&feature=youtu.be&t=230).
      Ist mir auch schon unter der Laufzeit passiert. Wenn ein verkaufter Put deutlich unter den Strike läuft, also deutlich ins Plus für den Käufer, dann muss man jederzeit mit einer Einbuchung rechnen. Da tauchen einfach die Aktien in Deinem Depot auf, der Betrag ist abgezogen vom Konto, und der Put ist ausgebucht. Man hat dann den Einstandskurs bei Strike minus Prämie.

      Wenn man das nicht will, dann muss man den short Put rechtzeitig mit Verlust schließen, also einen Put zurück kaufen.

      Man weiß nie, welchen Beweggründen die andere Seite folgt. Wenn jemand einfach nur einen naked Put gekauft hat, und gar keine Aktien darauf absichern will, die er dann abgibt, dann verkauft er einfach den Put mit Gewinn.

      Jemand kann auch seine Aktien tatsächlich zum Strike liefern (Put ausüben), und zum deutlich billiger gewordenen Kurs zurück kaufen.

      Wenn man den short Put einfach auslaufen lässt, und der Kurs unterm Strike liegt, dann werden Dir jedenfalls die Aktien eingebucht.

      Mich würde mal interessieren, was passiert, wenn ich einen gekauften naked Put einfach auslaufen lasse, wenn der am Ende im Plus ist. Gehe ich dann automatisch mit 100 Aktien short? Hatte jemand diesen Fall schon?

      Also ich kaufe einen Put auf Aktie Strike 20. Am Laufzeitende steht Kurs Aktie bei 15. Ich bin 5 USD pro Aktie im Plus und mache gar nichts. Bekomme ich einen Betrag des Gewinnes gut geschrieben? Oder werden mir 100 Aktien „ausgebucht“ die ich nicht habe, entsteht also eine Short-Position in der Aktie von -100? Ich bekomme also 2.000 USD eingebucht für die verkauften Aktien.

      Wenn ich die Position schließen will, muss ich also 100 Stück zum aktuellen Kurs von 15 kaufen, die Position ist glatt gestellt, und mir bleiben die 500 Gewinn? Das würde mich mal interessieren, falls es jemand schon exerziert hat.

      Gruß
      MS

      1. Hi Matthias!

        Ich habe zwar noch nie eine Option gekauft und somit auch noch nie mein Ausübungsrecht wahrgenommen, aber lt. der Theorie ist dies ein aktiver Akt. Sprich, wenn du nichts tust, passiert auch nichts.

        In deinem Beispiel müsste dies somit bedeuten, du musst am Stichtag aktiv sagen „ja, bitte ausüben“. Evtl. kann man seine Präferenz aber auch vorher schon irgendwie dem Broker mitteilen oder in der TWS hinterlegen.

        Und ich bin mir relativ sicher, dass dir immer die Aktien eingebucht werden, egal ob long oder short. Cashausgleich bei Aktienoptionen? Mhhh nö oder? Bei Futures klar, aber nicht bei Aktien, soweit ich weiß.

        Wie das in der Praxis funktioniert? Wie gesagt, keine Ahnung 🙂 …

        CU Ingo.

  4. Hallo Ingo und Matthias,

    es tun sich immer neue Fragen auf …. 😉

    Was kann eigentlich passieren, wenn ich einen CSP verkaufe, bei dem der Strikepreis über dem aktuellen Kurs liegt …

    Bsp: KO; Kurs: 42 USD; Strike: 43 USD, Prämie: 85 USD, Laufzeit: 8 Tage

    … würde der Käufer des Puts mir die Aktien sofort andienen?

    Grüße, Jens

    1. Hallo Jens,

      das kann rechnerisch nicht gehen. Wenn der Strike 43 und der Kurs 42 ist, dann muss der Put deutlich mehr als 1 (100) USD kosten, ansonsten bedubbt man sich selbst als Verkäufer.

      Diese 100, bzw. 1 USD ist ja dann keine Prämie sondern innerer Wert des Put, da er „im Geld“ ist.

      Alles was er über 1 (100) kostet ist dann erst Prämie. Also schön aufpassen! 😉

      Gruß
      MS

  5. Hallo Ingo,

    Sorry … für den Doppelpost …. wurde zu spät aktualisiert …

    Ich habe eine weitere Frage zum Thema Risiko/Margin.

    In einem Artikel erwähnst du, dass der Mindesteinschuss nicht höher als 50% der Netto-Liquidität liegen sollte.
    Ich verstehe die Sicherung dahinter nicht so ganz, daher folgendes Bsp:

    Konto-Einzahlung: 10.000 EUR

    1. CSP 4100 USD
    2. CSP 4200 USD
    3. CSP 5350 USD
    4. CSP 4500 EUR

    „Worst Case“: ca. 16.000 EUR – das wäre der Fall, wenn alle Strikes gerissen und die Aktien angedient werden.

    In der TSW werden folgende Werte angezeigt:

    Netto-Liq. 10.0K
    Mindesteinschuss 2.9K = ca. 29%

    Bedeutet das nach deiner Regel, ich könnte theoretisch weitere Positionen eingehen, bis ca. 50% beim Mindesteinschuss erreicht sind?

    Und wenn ja, was wäre, wenn z.B. Morgen der Markt absackt …
    so schnell könnte ich weitere ca. 15.000 EUR gar nicht zum Broker schaffen, auch wenn ich es hätte …

    Worin besteht dann der Sinn der 50%?

    Woran erkennst du eigentlich steigende Prämien, schaust du dir täglich die Preise an oder siehst du es an anderen Indikatoren?

    Danke und beste Grüße, Jens

    1. Hi Jens!

      Sorry für die späte Antwort. Muss dir bzgl. der 50% auch die eigentliche Antwort schuldig bleiben, da muss ich mich erst reindenken und dazu fehlt mir aktuell etwas die Zeit übers Pfingstwochenende.

      Was die steigenden Prämien angeht bzw. ob eine Prämie lukrativ ist oder nicht, ich schaue in der Tat eigentlich jeden Tag nach Arbeit so ca. 19:00 bis 20:00 Uhr rum in die TWS und was der Markt so macht. Nur so bekommt man ein Gefühl dafür und sieht dann bestimmte Bewegungen. In der TWS schaue ich dann genauer auf die Volatilität und ob es bei interessanten Werten krasse Schwankungen nach oben gibt. Wenn ja versuche ich herauszufinden was der Grund ist und ob ich denke, dass der Kursrückgang bzw. der Anstieg der Vola berechtigt ist und/oder sich bald wieder umkehrt. Das sind dann potentielle Kandidaten für einen Verkauf einer Option.

      Im nächsten Optionsdepot Update für Mai hab ich ein schönes Beispiel drin von CAH. 20% Kursabfall an einem Tag wegen schlechter Quartalszahlen. Vola schiesst in die Höhe und damit die Prämien. Ich fand das alles übertrieben und war mir sicher, dass geht nicht weiter runter sondern eher wieder nach oben. Also Put verkauft nahe am Kurs, dicke Prämie kassiert und schon 5 Tage später bei 50% zurückgekauft. Rendite per anno wäre ca. 100% 😀 … sauber!

      Wie gesagt, im nächsten Optionsdepot Update dann etwas mehr dazu …

      CU Ingo.

  6. Hi Ingo,

    zu meiner 50%-Frage eine weitere, die nochmal das max. Risiko des Stillhalters mit einer klassischen Cash Secured/Covered-Strategie beschreiben soll.

    Angenommen ich habe ein 50.000 USD Konto und schreibe Puts im Gegenwert von 45.000 USD auf Aktien.

    Die 45.000 USD beziehen sich auf die Summe der theor. ausgeübten Optionen zum Strike-Preis.

    Bsp.:

    1. 1xCSP, Strike 150 USD (150×100 = 15.000)
    2. 1xCSP, Strike 125 USD (125×100 = 12.500)
    3. 1xCSP, Strike 175 USD (175×100 = 17.500)
    Summe: 45.000 USD

    Worauf ich hinaus will …

    Wenn ich auf meinem Konto mindestens 45.000 USD Cash liegen habe, kann mir egal in welcher Marktphase kein Margin-Call drohen, denn alle Positionen sind komplett mit Cash hinterlegt, oder?

    Also egal wie stark die Märkte innerhalb der Laufzeit fallen, die Volatilität ansteigt und die Optionspreise sich verteuern … in jedem Fall werden max. die Optionen zum Strike fällig, dh die Aktien mir eingebucht und mit dem Cash bezahlt?

    Problematisch wäre es erst, wenn ich CSP im Gegenwert von z.B. 60.000 USD geschrieben hätte und nur 50.000 USD in Cash auf dem Konto habe.

    Danke und viele Grüße,

    Jens

    1. Hi Jens!

      Absolut korrekt. Deine Puts sind alle mit Cash abgesichert, deswegen sind es pure Cash Secured Puts (Sehr gut!) und du benutzt keine Margin. Es kann also auch nie zum Margin Call kommen. Diese Trades könntest du auch in einem reinem Cash Konto ausführen.

      Um zu deiner Frage von ein paar Tagen zurückzukommen, würdest du jetzt obendrauf nochmals Puts verkaufen in der Größenordnung um weitere 45k USD, dann wärest du bei 90K Gesamtrisiko in einem 50k Konto. Wie genau sich dann hier die Marginauslastung berechnet, dass ist so einfach nicht zu sagen, da sich diese ja jede Sekunde mit dem Marktwert der Positionen im Depot und der Vola am Markt ändern kann. Dazu schaue ich dann immer in die TWS. In der Regel werden es um die 25% sein, heißt du hast eine Marginauslastung von ca. 22,5k (25% von 90k) in deinem 50k Konto. Milchmädchenrechnung, ja ich weiß.

      Meine Faustregel war, 10k Konto mit 35k Kaufkraft (sieht man in der TWS unter Konto) dann max. 50%, also 17,5k als Risiko eingehen. Wie ich es schonmal irgendwo erwähnte, fühlte ich mich damit aber nicht 100% wohl. Also gehe ich auf ca. 1/3 runter (33%) und bewege mich eher im Rahmen um 12k rum. Ich verkaufe also nie Position mit einem höheren Gesamtrisiko als diese 12k. Da kann ich ruhiger schlafen und selbst ein Crash um 50% sollte nichts bewirken können, außer Katerstimmung ob der allgemeinen Situation am Markt. Und Freude gleich dazu, weil ich im Dividendendepot günstig nachkaufen könnte 🙂 !

      Genauer kann ich keine Werte liefern, da die Berechnung ein hochkompliziertes Konstrukt ist, welches ich selbst nicht komplett verstanden habe bisher. Chri hat auf seinem Blog aber mal einen sehr guten Artikel dazu geschrieben. Schau mal hier rein: Die wichtigsten Werte beim Handel auf Margin

      BTW für den Beginn und die ersten Trades ist meine Empfehlung ohne Margin zu kalkulieren. Also wie in deinem Bsp. die 45k aus 50k sind okay, drüber eher nicht.

      CU Ingo.

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