FAST Graphs: So einfach kann Aktienbewertung sein!

FAST Graphs: So einfach kann Aktienbewertung sein!

Heute erkläre ich euch eines meiner Lieblingstools für die schnelle Aktienanalyse: FAST Graphs. Über fastgraphs.com könnt ihr mit wenigen Klicks eine Übersicht bekommen, wie eine Aktie sich entwickelt hat in Bezug auf den Aktienpreis, die Dividende, das P/E Ratio (das GuV, Gewinn und Verlustverhältnis) und vieles vieles anderes.

Aber das eigentlich Geniale daran ist, diese Kennzahlen werden grafisch dermaßen simpel dargestellt und in Bezug gebracht, dass man auf einen Blick eine Einschätzung geben kann, ob du da etwas interessantes vor dir hast oder eher doch nicht.

Ich möchte euch heute FAST Graphs auch deswegen vorstellen, da ich in Zukunft plane, regelmäßig meine Watchlist (Beobachtungsliste bzw. Merkliste) hier zu besprechen bzw. einzelne Aktien vorzustellen. Und dafür werde ich sehr häufig Charts von FAST Graphs verwenden, da diese alle notwendigen Information enthalten und sehr einfach zu lesen sind.

Zum Anfang aber gleich ein kleiner Wermutstropfen, FAST Graphs ist leider nicht kostenlos. Es kostet aktuell 15,95 USD im Monat in der Basic Version. Diese ist aber vollkommen ausreichend. Die Premium Version (für schlappe 48,- USD im Monat) hat zwar ein paar coole Features, auf die können wir als kleine Privatinvestoren aber gern verzichten. Die Basic Version deckt die wichtigsten Themen ab, die uns als Dividendenaktienjäger interessieren. Oh und es ist nur in Englisch. Aber selbst wer mit English nichts am Hut hat, aber gewillt ist ein paar Fachbegriffe zu lernen, der kommt damit klar. Die wichtigsten Begrifflichkeit und Einstellungen werde ich ja gleich erklären.

FAST Graphs – Eine ansprechende grafische Aufbereitung von schnöden Daten!

Ein typischer FAST Graphs Chart, hier am Beispiel von McDonalds schaut so aus:

Fastgraphs Default Chart

Die schwarze Linie ist der Aktienkurs (in USD). Die blaue Linie ist das durchschnittliche P/E Ratio auf den ausgewählten Zeitraum (hier 10 Jahre) und die orange Linie das P/E Ratio auf 15 normalisiert, als Vergleich.

In dem Beispiel oben bedeutet dies aktuell, das der Kurs dem P/E Ratio wegläuft oder anders ausgedrückt, die Aktie ist im Vergleich zu vorher teuer. Als Grundregel kann man sagen, liegt die schwarze Linie über der blauen Linie, dann ist die Aktie teuer als im Durchschnitt für den ausgewählten Zeitraum. Darunter wäre sie günstiger. Und logischerweise gilt dies noch mehr für die orange Linie.

Super einfach, oder? Aber da ist noch mehr!

Die dunkelgrüne Fläche ist das sogenannte Earnings per Share (der Gewinn je Aktie) oder kurz EPS genannt. Im Detail zu erklären, was das genau ist, würde hier zu weit führen. Vielleicht in einem späteren Artikel. Wir merken uns jetzt nur eines, wenn die schwarze Linie in die dunkelgrüne Fläche eintaucht, kaufen wir die Aktie billiger, als sie eigentlich in Echt wert ist.

Da fällt mir Warren Buffet sofort ein mit seinem berühmten Spruch …

Die Frage, wie man reich wird, ist leicht zu beantworten.
Kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cents dafür.
— Warren Buffett

Darum geht es ja, billig Aktien einkaufen, um eine satte Dividende einzustreichen. Da wir als Buy & Hold (forever) Investoren im Idealfall niemals verkaufen, können wir unsere Rendite, hier die Dividendenrendite um genau zu sein, nur über den Einkaufspreis und die Auswahl, welches Unternehmen bzw. Aktie es denn sein darf, direkt steuern.

In kurz, es ist also extrem wichtig!

Die hellgrüne Fläche sind die ausgeschütteten Dividenden. Die wollen wir, genau wie die dunkelgrüne Fläche, immer steigen sehen.

Last but not least, die weiße Linie ist das sogenannte Payout Ratio (die Auszahlungsquote) der Dividende zu den Earnings (der Gewinn). Diese Linie ist aber nicht absolut zu betrachten, sondern in Bezug auf die dunkelgrüne Fläche. Heißt, tendiert die weiße Linie zum oberen Ende der dunkelgrünen Fläche hin, dann steigt das Payout Ratio. Entwickelt sie sich langsamer als die dunkelgrüne Fläche oder sinkt gar, dann sinkt auch das Payout Ratio. Sollte die weiße Linie nach oben über den Bereich der dunkelgrünen Fläche hinausgehen, ist das Payout Ratio bei über 100%. Das wollen wir niemals sehen.

Fassen wir bis hierhin zusammen, in nur einem Chart sehen wir 5 superinteressante Dinge, die uns viel über eine Aktie mitteilen:

  • P/E Ratio normalisiert auf 15 und auf den ausgewählten Zeitraum
  • Den aktuellen Kurs im direkten Verhältnis zum P/E Ratio und damit, ob die Aktie billig(er) oder teuer(er) ist
  • Ob das Unternehmen den Gewinn pro Aktie (EPS) steigern konnte oder nicht
  • Ob das Unternehmen die Dividende steigern konnte oder nicht
  • Wo das Payout Ratio für die Dividenden steht

Dazu kommen in der Seitenleiste interessante Infos wie zum Beispiel:

  • Sektorenzugehörigkeit
  • Market Cap (Marktkapitalisierung)
  • Credit Rating (Bonitätseinschätzung)
  • Dept/Cap Ratio (Verschuldungsgrad)
  • Stock Splits (Aktiensplit)

Ich find das genial und extrem simpel. Ideal zum Screening (Sichten, Aussieben, Durchleuchten) seiner Watchlist und um seinen nächsten Kauf vorzubereiten.

Toll, aber kann ich damit auch REITs bewerten?

Ja, denn man kann statt dem P/E Ratio, was bei REITs nur bedingt Sinn macht, auch die sogenannten FFO (Funds from Operations, Operatives Ergebnis) oder AFFO (Adjusted Funds from Operations, bereinigtes operatives Ergebnis) wählen. Diese sind viel besser geeignet, um REITs in Bezug auf Dividenden und Dividendenausschüttung zu bewerten.

Hier mal das Beispiel anhand von Omega Healthcare Investors (OHI):

Fastgraphs Chart

Zu REITs wird es hier auf dem Blog noch einige Artikel geben, denn vielen sind diese Aktiengattung nicht ganz geheuer. Zu Unrecht meiner Meinung nach.

Im FAST Graphs Chart von OHI sieht man gut, dass die Aktie aktuell wieder günstig zu haben ist. Sie war es schon von Mitte 2010 an bis ca. 2012 und dann halt wieder ab ca. 2015. Und das trotz dem Fakt, dass die Dividende jedes Quartal (ja richtig gelesen, nicht nur jedes Jahr sondern wirklich jedes Quartal) gesteigert wurde, die Dividendenrendite bei über 7% liegt und das Unternehmen seit mindestens 2010 jedes Jahr mehr Gewinn eingefahren hat und im Wert stieg. Strange!

Hier spielen halt marktpolitische Themen eine übergeordnete Rolle, z. b. das aktuell befürchtet wird, dass Trump Obamacare kippen könnte und dann Firmen wie OHI darunter leiden und weniger Gewinne einfahren werden. Fundamental geht es der Firma blendend und der Aktienpreis zeigt, dass das Unternehmen unterbewertet ist. Das sind halt Kaufgelegenheiten in meinen Augen.

Aber zurück zu FAST Graphs. Das hier ist das Auswahlmenü:

Fastgraphs Default Settings

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle Einstellungen bzw. Auswahlmöglichkeiten jetzt hier zu erklären. Mein Angebot, sollte euch eine Option/Einstellung speziell interessieren, dann fragt einfach unten in den Kommentaren und ich erkläre diese dann. Das gilt übrigens für alle Arten von Fragen zum Thema. Deal?

Über das Drop Down Auswahlfeld (neben dem Go Button) kann man einfach seine Aktien auswählen, wenn man sich vorher eines von 2 Portfolios (in der aktuellen Version glaub ich sogar bis zu 3 sind möglich) angelegt hat. Dies macht man ganz einfach, in dem man die Symbole (WKN und ISIN kennen die Amerikaner nicht wirklich) der einzelnen Firmen eingibt.

Fastgraphs Portfolio Setup

Ich habe zum Beispiel einmal meine Aktien aus dem Dividendenaktiendepot eingegeben und dann als zweites Portfolio noch meine Watchlist.

Fastgraphs Portfolio Selection

So spare ich mir jetzt immer, die Symbole eintippen zu müssen und kann superschnell die einzelnen Werte durchklicken.

So viel zum grundsätzlichen Aufbaus des Tools. Bevor ich den Artikel abschließe, möchte ich noch 2 zusätzliche Statistiken zeigen, die dort verfügbar sind. Es gibt noch viel mehr als die 2, aber besonders diese beiden finde ich persönlich interessant und für die Dividendenwachstumsstrategie (Dividend Growth) und Buy & Hold sehr nützlich.

Das 10 Jahre Dividendenwachstum auf einen Blick!

Fastgraphs Dividend Growth

Man sieht für jedes Jahr die einzelnen Dividendensteigerungen und den kumulierten Wert. Am Beispiel von McDonalds ergibt sich eine Dividendensteigerung von durchschnittlich 14,3% auf 10 Jahre oder eine Verdoppelung nach 6 Jahren oder das am Ende der 10 Jahre die Dividende jetzt ca. 2,5 mal so hoch ist, wie am Anfang. Man sieht aber auch, dass das Dividendenwachstum sich in den letzten Jahren abgeschwächt und dafür sich das Payout Ratio erhöht hat. Ein typisches Bild übrigens, wenn sich Wachstum und Dividendenerhöhungen nicht mehr im Einklang befinden. Ein Warnzeichen? Vielleicht. Auf jeden Fall aber sind das sehr interessante Infos für uns Investoren, die wir den Fokus auf Dividenden legen!

Dazu auf der rechten Seite die Beispielrechnung anhand von 10.000,- USD investiert zu Beginn, wie sich der Wert entwickelt hat einmal ohne Dividenden reinvestiert und einmal mit. Aus den 10.000,- USD sind nach 10 Jahren schlappe 34.730,- USD geworden oder sogar 40.872,- USD, wenn man die Dividenden wieder direkt in McDonalds gesteckt hätte. Ein Traum! Vor allem, wenn man sich mal den direkten Vergleich zum S&P500 anschaut, der immer gleich daneben als Benchmark aufgeführt wird. Da wäre grad mal knapp die Hälfte bei rumgekommen.

Wo ist meine Glaskugel? Was bringt die Zukunft?

Nein, FAST Graphs kann nicht vorhersagen, wie sich eine Aktie entwickelt, dafür ist jeder selbst verantwortlich. Aber es stellt unter anderem eine klar strukturierte Übersicht bereit, was euch bei eurer Einschätzung hilft und was wäre wenn Szenarios ablesbar macht.

Fastgraphs Forecast

Wieder am Beispiel von McDonalds kann man aufgrund der Estimated Earnings Growth (zu erwartendes Gewinnwachstum) von angenommen 8,4% ablesen, wo sich der Preis, der Gewinn und die Dividende hinentwickelt könnte und zwar zu den unterschiedlichsten angenommen P/E Ratios (die einzelnen Linien). Als Beispiel, wenn wir annehmen das McDonalds weiter mit 8,4% wächst und der Kurs auf ein P/E Ratio von den durchschnittlichen 19 zurückkommt, dann können wir nur einen Preis von ca. 150,- USD Ende 2020 erwarten. Bei einem aktuellen Kurs von bereits 153,- USD, wäre dies kein gutes Investment.

Was sagt uns die Übersicht also bei diesem konkreten Beispiel?

Entweder man geht davon aus, dass McDonalds auch in Zukunft höher bewertet wird als der breite Markt, hier also weiterhin mit einem P/E Ratio von 25 oder höher, dann kann man einsteigen. Wenn man dies aber nicht glaubt und eher davon ausgeht, dass der Kurs auch mal wieder in normale Gefilde von einem P/E Ratio von 20 oder weniger zurückkommt, der sollte warten bis genau dies passiert.

Zur Erinnerung der erste Chart im Beitrag, wenn die schwarze Linie (der Kurs) unter die blaue Linie (das durchschnittliches P/E Ratio) fällt oder noch besser, die schwarze Linie in die dunkelgrüne Fläche (EPS) eintaucht, ab da kaufen wir den Dollar für weniger als 100 Cents! Klar? Denn genau das wollen wir!

Puh das reicht jetzt erstmal oder kommt da noch mehr?

Da ist noch viel mehr, wie z. b. eine tabellarische Übersicht der angelegten Portfolios mit allen möglichen Information. Zur Auswahl stehen:

Fastgraphs Portfolio Table Setup

Hier mal exemplarisch mit dem Credit Rating und dem Market Cap:

Fastgraphs Portfolio Table

Es gibt noch einige weitere Statistiken, Charts und Einstellmöglichkeiten, aber ich denke, ihr habt jetzt erstmal eine gute Übersicht über die grundsätzlichen Funktionen von FAST Graphs erhalten.

Wie gesagt werde ich in Zukunft ein paar der Übersichten hier auf dem Blog regelmäßig benutzen. Also selbst wenn ihr euch keinen eigenen Zugang leisten wollt, ich kann es nur reinen Gewissens empfehlen, sich es zumindest mal anzuschauen, werdet ihr jetzt hier ab und zu ein paar vorselektierte Infos zu dem ein oder anderen Unternehmen bekommen.

Hat euch der Artikel gefallen oder sind solche Art von Hintergrundinformation eher unnötig oder gar nervig? Lasst es mich einfach wissen und schreibt einen Kommentar. Der Blog ist noch neu und die konkrete Ausrichtung und die Themen der Beiträge sind noch am entstehen und zusammenwachsen. Ihr habt Einfluss darauf, wenn ihr euer Feedback gebt. Danke!

BTW ich bin in keiner Weise mit fastgraphs.com verbunden, noch bekomme ich irgendeine Provision für diesen Artikel oder durch die Verlinkung. Ich bin einfach nur ein Fan dieses Tools und kann es wirklich empfehlen.

Danke fürs Lesen und wenn dir der Artikel gefallen hat, hinterlasse mir doch bitte eine Nachricht. Danke!

 

Für alle im Artikel gezeigten Screenshots gilt:

Copyright © 2014, F.A.S.T. Graphs™ – All Rights Reserved www.fastgraphs.com

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Für diese Unterstützung möchte ich mich hiermit im Voraus Bedanken und verspreche dafür, den Blog bestmöglich frei von Popup- oder Bannerwerbung oder ähnlichen nervigen Dingen zu halten!

 

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2 Comments
  1. Hallo Ingo,

    ich habe da deckungsgleiche Ansichten. Werde Deinen Blog im Auge behalten.

    F.A.S.T. Graphs ist ja der Standard und ein „must have“ in der Seeking Alpha-Gemeinde. Ich bin zwar auch relativ aktiv, aber trotzdem zu geizig dafür. Allerdings finde ich auch, dass es nicht nötig ist, was zu zahlen.
    Ich bin da ganz glücklich bei Gurufocus.com
    Da hat man eigentlich ausreichende Möglichkeiten. Um das Beispiel mit der MCD aufzugreifen… hier habe ich die wesentlichen Merkmale in der Grafik abgebildet: -> http://www.bilder-upload.eu/upload/9989d6-1498729699.png
    Ich habe bei „Interactive Chart“ keine „Estimates“ abbilden lassen.
    Man sieht die blaue Linie, das ist der Preis, den MCD bei KGV 15 haben müsste (die nennen es die Peter Lynch Earnings Line). Die rote Kurve ist das 10-Jahres-Durchschnitts-KGV (17,90). Grüne Linie ist der Kurs.

    Für alle, die sich nichts Kostenpflichtiges leisten wollen, dies also als Tipp.

    Guten Erfolg und beste Grüße
    MS

    1. Hi Matthias,

      danke fürs kommentieren.

      Interessante Alternative, kannte ich persönlich noch nicht. Nicht so schick wie F.A.S.T. Graphs, aber gleiches Prinzip, zumindest bei den Charts. Die Seite erscheint mir auf den ersten Blick etwas konfus. Overloaded, wie man so schön sagt. Eventuell gibt es dort auch fundamentale Daten, aber konnte ich so jetzt nicht auf die Schnelle finden. Bei F.A.S.T. Graphs finde ich halt toll, dass du alles sehr kompakt hast und die wichtigsten Sachen sogar in einem einzelnen Chart.

      Aber auf jeden Fall danke für das Aufzeigen von kostenfreien Alternativen. Nicht jeder ist bereit Geld auf den Tisch zu legen oder kann es vielleicht einfach nicht zur Zeit. Damit ist denen auf jeden Fall geholfen.

      Danke!

      CU Ingo.

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