Optionshandel ABC: Was sind Stillhaltergeschäfte?

Optionshandel ABC: Was sind Stillhaltergeschäfte?

Kommen wir heute zu Teil #2 der Artikelserie Optionshandel ABC. Diesmal dreht sich alles um den Begriff des Stillhalters bzw. was sind Stillhaltergeschäfte?

Die Artikelserie Optionshandel ABC ist für den Anfänger und Interessierten gedacht, der gern in den Optionshandel einsteigen würde, aber nicht so recht weiß, wo fange ich überhaupt an. Ich versuche hiermit einen möglichst aufs Wesentliche reduzierten Weg aufzuzeigen, um zeitnah seinen ersten Trade zu platzieren.

Ich bin nämlich ein Fan von Learning By Doing!

Der grobe Fahrplan könnte so ausschauen:

Nach der oberflächlichen Einführung in Teil #1, kommen wir heute zu einem Thema, welches ein grundsätzlichen Verständnis dafür schaffen soll, dass wir beim Optionshandel in der Regel die Seite des Verkäufers einnehmen wollen.

Warum ist es so wichtig, auf der Seite des Verkäufers zu sein?

Weil beim Optionshandel der Verkäufer einen systematischen Vorteil gegenüber dem Käufer hat! Doch wie kommt es dazu?

Der Optionspreis besteht aus 2 Hauptkomponenten, Der Innere Wert und Der Zeitwert. Der innere Wert einer Option ist der Geldwert, den die Option bei sofortiger Ausübung einbrächte.

Der innere Wert für eine Call Option berechnet sich wie folgt:

  • Innerer Wert = Kurs des Basiswerts (Underlying) – Basispreis (Strike)

Der innere Wert für eine Put Option berechnet sich dagegen so:

  • Innere Wert = Basispreis (Strike) – Kurs des Basiswerts (Underlying)

Der innere Wert kann nicht ins Minus laufen. In der Theorie ist Null der minimale Wert einer Option.

Der Zeitwert dagegen drückt die Unsicherheit aus, wie sich der Kurs des Basiswerts bis zum Verfallstag entwickeln kann. Genauer gesagt preist der Zeitwert die Wahrscheinlichkeit ein, dass die Option am Ende ihrer Laufzeit ausgeübt werden könnte, sollte sie ins Geld gelaufen sein. Der Zeitwert wird dabei maßgeblich von der Volatilität und der Restlaufzeit beeinflusst. Am Verfallstag fällt der Zeitwert auf Null und die Option hat nur noch ihren inneren Wert, also einen reinen Geldwert.

Letzteres ist der interessante Punkt, einfach durch stillhalten und die Zeit verstreichen lassen, sinkt der Wert einer Option! Klar, in der Praxis ist dieses Absinken des Preises selten linear und so klar zu beobachten, da durch die Volatilität und externe Faktoren die Preise mal mehr mal weniger stark schwanken. Aber in Theorie und auf statistisch relevante Zeiträume und Anzahl von Trades betrachtet, ist dem in der Tat so.

Daraus ergibt sich der angesprochene systematische Vorteil auf der Verkäuferseite!

Verkaufen wir eine Option, gibt es 3 mögliche Szenarien für den Ausgang. Der Kurs der zugrundeliegenden Aktie (das sogenannte Underlying) steigt, fällt oder bewegt sich seitwärts.

Haben wir eine Call Option (Kaufoption) verkauft und der Kurs liegt am Verfallstag unter oder am Strike (Basispreis), so wird die Option in der Regel nicht ausgeübt. Der Optionskäufer könnte sich die Aktien ja am Markt günstiger besorgen. Er würde dies nur tun, wenn der Kurs über den Strike gestiegen wäre. Wir gewinnen also in 2 von 3 der Szenarien.

Haben wir dagegen eine Put Option (Verkaufsoption) verkauft und der Kurs liegt am Verfallstag über oder am Strike, dann wird die Option (in der Regel) wieder nicht ausgeübt. Denn am Markt kann der Optionskäufer seine Aktien ja aktuell für mehr Geld verkaufen, als er bei mir durch die Option bekommen würde. Wir als Verkäufer gewinnen also wieder in 2 von 3 Szenarien.

Na? Wird klar, warum man als Verkäufer von Optionen in der Regel auf der Gewinnerseite ist? Man kann halt in 2 von 3 Szenarien seine Prämie einstreichen, da nichts passieren wird.

Nach diesem Prinzip funktionieren im Grunde auch alle Banken bei Glücksspielen. Speziell Roulette ist da immer ein gern genanntes Beispiel. Selbst wenn Roulette mathematisch ausgeglichene Chancen für die Spieler und die Bank bereitstellt, allein durch den Fakt, dass es die grüne Null gibt, wo alle Einsätze an die Bank gehen, hat die Bank einen systematischen Vorteil. Und statistisch auf lange Sicht gewinnt die Bank dadurch immer. Nicht immer im Sinne von jedes Spiel, aber immer im Sinne von immer etwas mehr als die Spieler.

So ähnlich ist es bei den Optionen auch. Hier repräsentiert der Verkäufer die Bank. Als Verkäufer sind wir auf der Gewinnerseite.

Und alles was wir dafür tun müssen ist, eine Option zu verkaufen und dann stillzuhalten und nichts zu tun. Und dies ist im Grunde das Geheimnis, warum man das Ganze auch Stillhaltergeschäfte nennt. Wir sind als Verkäufer Der Stillhalter in dem Spiel. Wir warten ab und lassen die Zeit verstreichen.

Ist es wirklich so einfach?

Im Kern und auf die einfachste Ebene abstrahiert ja, es ist so einfach. Aber natürlich gibt es einiges mehr dabei zu beachten, wenn es z. b. um die Auswahl des Basiswertes, des Basispreises und so weiter geht. Du kannst jeden Trade von vornherein vermasseln, wenn du die falschen Annahmen triffst. Dazu aber mehr in Teil #3 bis #6.

Aber warum kaufen dann Leute Optionen, wenn man damit öfters verliert als gewinnt?

Ein Wort: Sicherheitsdenken und Spekulation! Ups, das waren jetzt doch zwei Worte 🙂 … egal.

Optionen sind ja im Prinzip Versicherungen. Wenn du jemanden eine Option verkaufst, dann sicherst du dem Käufer das Recht zu, diese Option auszuüben, wenn es ihm danach gedünkt.

Bei einer Call Option wird er dies machen, wenn er die Aktien von dir zum Zeitpunkt der Ausübung günstiger bekommen kann, als am Markt. Denn dann macht der Käufer einen Gewinn. Er hatte also auf einen Anstieg spekuliert, wollte die Aktie aber nicht direkt kaufen. Er kaufte dagegen die Option für den Bruchteil des Geldes um sich abzusichern, dass wenn seine Annahme eintritt, er beim großen Reibach nicht außen vor ist. Diese Absicherung kostet.

Bei der Put Option wird dies noch deutlicher. Ein Käufer einer Put Option sichert sich grundsätzlich gegen fallende Preise ab. Du als Verkäufer und Stillhalter sicherst ihm zu, die Aktie zu dem festgelegten Strike zu kaufen, egal wo der eigentliche Kurs steht. Dies wird er dann machen, wenn der Kurs unter den Strike fällt. Du bist die Versicherung für ihn. Und Versicherungen kosten. Und oft nicht wenig.

Ihr werdet schnell sehen, dass Put Optionen häufig teurer sind als Call Optionen. Es gibt sicher viele unterschiedliche Gründe dafür, aber ein Grund ist der grad genannte in Bezug auf das Sicherheitsdenken. Die Nachfrage ist höher. Menschen lieben Versicherungen. Und ich verkaufe sie ihnen gerne.

Damit trage ich ja aber das Risiko?

Ja klar. Dafür wirst du immerhin bezahlt und bekommst die sogenannte Prämie (Premium). Von nichts kommt nichts, oder?

Es liegt natürlich an dir, das Risiko einzuschätzen und die Option zu verkaufen oder nicht. Deswegen ist es wichtig, dass du die Aktie kennst, auf die du eine Option verkaufen möchtest und auch zu welchem Strike und zu welchem Preis, sprich für welche Prämie. Das du aber mit der richtigen Strategie und dem richtigen Mindset (Einstellung) keine Angst vor dem Risiko zu haben brauchst, das erfährst du spätestens in Teil #6.

Nun wisst ihr was Stillhaltergeschäfte sind!

Der Optionshandel im Allgemeinen und auf der Seite des Stillhalters zu sein im Speziellen, hat noch einige andere Vorteile:

  • Sehr gute Liquidierbarkeit der Positionen, der Großteil wird über die Laufzeit in Cash gehalten
  • Sehr geringe Wertschwankungen im Depot
  • Stetiger positiver Cashflow durch ausgezahlte Prämien
  • Überschaubarer Zeitaufwand

Dies gilt in der Regel. Ausnahmen gibt es immer und z. b. ein richtig netter Börsencrash wird auch am Optionsdepot, selbst mit Fokus auf Stillhaltergeschäfte, die ein oder andere Verwerfung hervorrufen. Ich sehe den Optionshandel trotzdem als eine relativ entspannte und konservative Anlageform an.

Fairerweise sollte man auch die Nachteile benennen. Diese wären in meinen Augen:

  • Kenntnisse des Optionshandel und Erfahrung mit der Bewertung von Aktien nötig
  • Kapital ist erforderlich
  • Im Vergleich zu Dividenden ist es kein passives Einkommen im eigentlichen Sinne

Das war es aber auch schon. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Form der Anlage bzw. des Investierens er bevorzugt.

Wo seht ihr die Vor- oder Nachteile des Optionshandels?

Aber so richtig entscheiden kann man das ja erst, wenn man es mal ausprobiert hat, oder? Und genau deswegen gibt es die Artikelserie Optionshandel ABC für euch. Probiert es aus und dann bleibt ihr vielleicht auch hängen, so wie ich.

Bevor ich den Artikel beende, möchte ich meine Empfehlung aus Teil #1 wiederholen. Wer die hier genannten Begrifflichkeit noch besser verstehen oder bereits jetzt tiefer in die Thematik einsteigen will, der sollte mal das Buch von Dr. Peter Putz: Strategisch Investieren mit Aktienoptionen* (für Anfänger meine Empfehlung, Fokus klar auf Aktienoptionen) oder das von Jens Rabe: Optionsstrategien für die Praxis* (geht schon etwas tiefer rein und statt Aktien, geht es Größtenteils um Futures) lesen. Damit macht man sicher nichts verkehrt.

Im nächsten Teil schauen wir uns dann den Cash Secured Put an. Meine Lieblingsoption und Hauptstrategie!

 

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