Strategie: Wann kaufe ich Aktien?

Strategie: Wann kaufe ich Aktien?

Wann kaufe ich Aktien, wenn sie teuer oder wenn sie billig sind? Was bedeutet überhaupt teuer und wann ist etwas billig? Und was ist eigentlich dieser berüchtigte Griff ins fallende Messer und warum braucht man, mit dem richtigen Plan, keine Angst davor zu haben? Dies und noch viel mehr, erfahrt ihr heute in diesem Artikel.

Es klingt logisch, wenn etwas im Supermarkt billig und im Angebot ist, dann greifen die Leute mit beiden Händen zu. Manchmal auch ohne das man das Ding wirklich benötigt. Ist dagegen etwas teuer, zumindest teurer als erwartet oder teuer als es das gestern noch war, dann nehmen die Leute eher Abstand. Sobald wir aber an die Börse denken, kehrt sich diese Denke bei der Mehrheit komplett um. Da wird zu Höchstpreisen zugegriffen, um ja nicht den Trend bzw. den Anschluss zu verpassen und man klopft sich gegenseitig auf die Schulter dafür. Geht der Kurs aber grad mal auf Tauschstation, dann wird man zögerlich. Es entstehen Ängste. Erstkäufe oder Zukäufe werden aufgeschoben, die ganz ängstlichen verkaufen gar, oft mit Verlust. Dann versteckt man sich, bis zum nächsten Kurshoch, um wieder zuzugreifen.

Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen ist, weil sie steigt und der dümmste Grund eine Aktie zu verkaufen ist, weil sie fällt.

— Warren Buffett

Damit verliert man massiv an Rendite, speziell bei der Dividendenstrategie!

Kauft man z. b. heute eine McDonalds für 133,- EUR, bekommt man dafür ca. 2,5% Dividendenrendite. Hätte man, wie ich es zum Beispiel tat, Ende 2014 während des Fleischskandals in China zugegriffen, hätte man statt 2,5% eher etwas über 4% bekommen, da der Preis auf knapp 70,- EUR gesunken war. Auf 1.000,- EUR gerechnet, reden wir einmal von 25,- EUR Dividende und einmal von über 40,- EUR pro Jahr. Das sind 60% mehr Dividende! Auf Dauer!

Buy Low, Sell High ist die Börsenregel, aber manche scheinen da eher auf Buy High, Sell Low zu stehen.

Aber warum ist das so? Psychologie ist ein extrem weites und schwieriges Feld und ich bin garantiert nicht der Experte, um dies hier im Detail zu beleuchten. Aber es scheint klar, dass gerade bei Kurstiefs die meisten mit Verlustängsten konfrontiert werden. Der Gedanke alles zu verlieren lähmt sie und zwingt sie dann auch teils zu verlustbringenden Handlungen. Dabei werden sie von den chronisch negative Schlagzeilen verteilenden Medien getrieben, die mal wieder den Crash prophezeien. So kommt es dazu, dass man im Tief verkauft.

Im Gegenteil dazu, wenn die Kurse wieder neue Höchststände anstreben. Dann kommt eine andere Eigenschaft der Menschen hervor, die Begierde oder einfach nur die Gier! Leute denken etwas zu verpassen und im Vergleich zurückzufallen. Der Andere macht das große Geld und ich bin nicht dabei. Dieses Denken führt zu irrationalen Handeln und in Bezug auf Dividendenaktien oft dazu, zu teuer einzukaufen und auf lange Sicht seine Rendite zu schmälern.

Verlustängste und Gier sind die Treiber für irrationales Handeln!

Aber was kann man dagegen tun? Es klingt total simpel und im Prinzip ist es das auch. Hab einfach vorab einen Plan, eine Strategie. Kenne dazu deine Risikobereitschaft (Risk Tolerance). Und dann tue es einfach und verfolge deinen Plan strikt und ohne Wenn und Aber.

Wie also schaut mein Plan beim Kauf von Dividendenaktien aus?

Ich konzentriere mich einfach auf ein paar für mich relevante Kennzahlen und filtere dahingehend meine Liste an Kandidaten, meine sogenannte Watchlist.

Dabei hilft mir das Tool FAST Graphs sehr.

Meine Kriterien sind:

  • Aktuelles P/E Ratio (GuV) liegt nicht über dem 10 Jahres P/E Ratio Schnitt

Wenn das aktuelle P/E Ratio unter dem Schnitt der letzten 10 Jahre oder meinetwegen auch der letzten 5 Jahre liegt, ist dies ein Indikator, dass die Aktie im Moment günstiger ist als sonst.

  • Payout Ratio (Höhe der Dividende in Bezug auf den Gewinn) liegt nicht über 60%

Ein Geschäftsmodell ist nur dann nachhaltig, wenn die Dividende aus dem freien Cashflow bzw. Gewinn jeden Monat, jedes Quartal oder jedes Jahr gezahlt werden kann. Und dabei soll auch noch gut etwas übrig bleiben, damit das Unternehmen in die Zukunft investieren kann oder auch um die Dividende in Zukunft weiter zu steigern. Darum halte ich eine Payout Ratio von 60% oder weniger für optimal.

  • Dividendenrendite (Yield) min. 3% oder Dividendensteigerung (Dividend Growth) der letzten 5 oder 10 Jahre ist größer als 7%

Ich kombiniere diese beiden, weil ich entweder möchte, dass das Unternehmen bereits eine hohe Dividendenrendite hat, dafür aber die Steigerungen der Dividende aktuell und in der Zukunft geringer ausfallen werden, z. b. AT&T. Oder das Unternehmen hat eine aktuell geringe Dividendenrendite, steigert dafür aber jedes Jahr die Dividende zweistellig, z. b. Nike. Erstere sind eher Unternehmen, die bereits lange am Markt sind, ein grundsoldies Geschäftsmodell haben und dabei nur noch langsam wachsen. Letztere dagegen sind Unternehmen, die aktuell noch sehr stark wachsen, sogenannte Growth Stocks (Wachstumsaktien).

  • Dividenden steigen seit mindestens 10 Jahren

Das ist es, was wir wirklich wollen. Die Dividende soll bitte jedes Jahr steigen und zwar möglichst über der Inflationsrate. Erstens zeigt es, dass das Unternehmen ein extrem robustes und gewinnbringendes Geschäftsmodell hat, weil nur so man auf Jahrzehnte die Dividende ständig erhöhen kann. Zweitens spart es dir bares Geld und Zeit. Geld, weil du weniger investieren musst und trotzdem deine Einnahmen steigen. Zeit, weil du eher dein Ziel, die finanzielle Freiheit erreichen kannst.

  • Credit Rating (Kreditwürdigkeit) auf Stufe Investment Grade (Beste bis mittlere Bonität)

Dieser Punkt, wenn er beachtet wird, gibt dir ein wenig Sicherheit, dass dem Unternehmen im Krisenfall nicht so schnell die Luft ausgeht. Das Credit Rating bestimmt maßgeblich, wie teuer es für ein Unternehmen ist, Schulden zu finanzieren. Je besser, desto günstiger und einfacher für das Unternehmen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil in Krisensituation, wo die liquiden Mittel nicht mehr ganz so überschwänglich sprudeln für eine gewisse Zeit.

Das sind meine Hauptkriterien, die eine Aktie erfüllen sollte, damit sie in Betracht für einen Kauf kommt.

Üblicherweise erhalte ich dann eine Liste mit 10-20 potentiellen Aktien, die ich dann noch wie folgt sortiere:

  • Wie nah ist der aktuelle Kurs am 52-Wochen-Tief (52-weeks-low)?
  • Liegt die aktuelle Dividendenrendite über der historischen Dividendenrendite?

Normalerweise wähle ich dann aus den Top 5 meinen nächsten Kauf aus. Je niedriger der Preis in Bezug auf das 52-Wochen-Tief, desto interessanter für mich. Ich möchte ja billig einkaufen.

Aber was ist, wenn der Preis immer weiter fällt?

Der bekannte Griff ins fallende Messer, richtig? Jein!

Ja, wenn man blind irgendwas kaufen würde und sich nicht im Geringsten darum schert, warum der Preis gerade sinkt. Es war sicher keine gute Idee eine Kodak zu kaufen, als klar wurde, dass Digitalkameras den Markt übernehmen und Kodak nicht ein Produkt dafür in der Mache hatte. Davor war Kodak immerhin über 50 Jahre ein solides Investment.

Ich gehe einfach davon aus, dass jeder mit offenen Augen und etwas Menschenverstand durchs Leben geht und dies auch beim Aktienkauf tut. Also schaut erst, ob es offensichtliche Gründe gibt, warum der Kurs nach unten zeigt. Und dann entscheidet, ob dies gerechtfertigt ist oder nicht. Sollte es nicht gerechtfertigt sein oder die Korrektur einfach nur auf Makrobewegungen beruhen, z. b. der gesamte Markt korrigiert nach unten, das gewünschte Unternehmen fährt aber weiter solide Gewinne ein, dann zögert nicht und kommt ins Handeln.

Dies sind die Gelegenheiten, die aus einem guten Investment ein großartiges Investment machen.

The time to buy is when there’s blood in the streets.

— Baron Rothschild

Anmerkung: Übrigens sind Teile davon dem sogenannten Ansatz des Value Investing entnommen. Zu dem Thema schreibe ich später einen eigenen Artikel.

Klingt kompliziert? Nein, nicht wirklich. Es bedarf zwar durchaus ein wenig Vorbereitung, aber man sollte mit seinem Geld nicht leichtfertig umgehen, schon gar nicht, wenn man es auf ewig investiert. Denkt dran, mit der Dividendenstrategie sind wir automatisch Buy & Hold Investoren, im Idealfall Buy & Hold forever sozusagen. Die Zeit ist also gut investiert.

Und Geschäftsberichte lesen ist nicht notwendig?

Ich behaupte mal ja, es ist nicht zwingend notwendig, stundenlang oder tagelang Geschäftsberichte zu lesen. Schaden würde es aber auch nicht. Ich meine in der heutigen Zeit, wo fast alle Informationen digital und ständig verfügbar sind und diese auch durch eine Vielzahl von Reviews gegangen sind, sei es durch Analysten, Daten verarbeitende Tools oder Social Media Kanäle, sind die Erkenntnisse aus den Geschäftsberichten bereits komprimiert verfügbar. So kann man in viel kürzer Zeit, viel mehr Informationen aufnehmen. Ich nutze z. b. sehr intensiv SeekingAlpha.com und FastGraphs.com für meine Recherche vorab. Durch die Daten und die Artikel dort, aber auch bzw. besonders durch die Kommentare der User, bekommt man einen guten Überblick darüber, ob eine Firma gut dasteht oder man eher aufpassen sollte. Und wenn du dich jetzt noch auf die sogenannten Blue Chips, also Firmen mit besonders hohem Umsatz und Börsenwert konzentrierst, dann bist du auf dem richtigen Weg.

Okay klar soweit, aber wo fange ich an?

Wenn du noch keine eigene Watchlist hast, dann kann ich dir zumindest für den US Markt die U.S. Dividend Champions List von David Fish empfehlen. Dividend Champions sind Unternehmen, die seit 25 Jahren oder länger ihre Dividende jedes Jahr steigern. Man kann also davon ausgehen, dass ein solides Unternehmensmodell dahinter steht, denn von nichts kommt nichts, oder?

Die Liste enthält aber noch mehr:

  • Dividend Champions, Dividende bereits für 25 Jahre oder länger gesteigert
  • Dividend Contenders, Dividende mehr als 10 Jahre gesteigert
  • Dividend Challengers, Dividende seit mindestens 5 Jahren gesteigert

Beispiele für Champions wären 3M Company (MMM), Altria (MO), Coca-Cola (KO) oder Johnson & Johnson (JNJ). Dagegen wären in der Gruppe der Contenders solche Namen zu finden, wie z. b. Caterpillar (CAT), General Mills (GIS), IBM (IBM) oder Nike (NKE). Bei den Challengers finden wir dann illustre Namen wie z. b. Apple (AAPL), Boeing (BA), Philip Morris (PM) oder Starbucks (SBUX).

Da ist für jeden etwas dabei.

Gut. Nun wisst ihr, wie ich für mein Dividendenaktiendepot die geeigneten Kandidaten heraussuche und nach welchen Kriterien ich den Kauf vorbereite. Ihr seht auch, ich kaufe möglichst billig ein und nicht wenn es grad teuer ist, immer getreu dem Value Investing Prinzip. Dies ist mein Plan, der mir erlaubt, mich vom ständigen Grundrauschen der Medien abzuschotten und strikt danach zu handeln. Es ist mein Weg, gegen die oben beschriebenen psychologischen Fallen namens Verlustängste und Gier gewappnet zu sein.

In einem der nächsten Artikel werde ich ein Praxisbeispiel anhand meiner vorgestellten Kriterien durchspielen, damit es für euch vielleicht noch etwas nachvollziehbarer wird. Auch werde ich meine Kriterien für den Verkauf von Dividendenaktien erklären. Ja auch ein Buy & Hold (forever) Investor verkauft dann ab und zu doch mal eine Aktie.

Spoiler, das passiert aber wirklich nur äußerst selten 😉 …

 

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5 Comments
  1. Hallo Ingo,
    ich denke Du hast das Zeug zu einem erfolgreichen Dividendeninvestor.
    Schau auch noch auf den FCF.
    Viel Erfolg weiterhin.
    Ich bin auf Deine nächsten Käufe gespannt. Vielleicht schreibst Du ja auch einen Artikel darüber, warum Du jetzt gerade diese Aktie gekauft hast.

    Ahoj
    ZaVodou

    1. Hi ZaVodou,

      danke fürs Kommentieren.

      Stimmt, den Free Cash Flow hab ich irgendwie vergessen zu erwähnen bzw. herauszustellen, obwohl der dazugehört und auch von mir Beachtung findet. Eigentlich sogar vorrangig, weil davon wird ja immerhin unsere Dividende bezahlt 😉 … ich werde den Artikel bei Gelegenheit ergänzen. Danke für den Hinweis.

      Aktuelle Zukäufe habe ich bereits im letzten Depotupdate angesprochen. Sollte ich während des Monats und außerhalb des Sparplans zusätzliche Käufe haben, dann ist der Plan, darüber separat zu berichten inkl. Begründung warum und weshalb genau diese Aktie. Geht klar.

      CU Ingo.

  2. hallo ingo,
    wie anfangen mit kaufen? hier mein persönlicher erfahrungsbericht:

    da ich leider gezwungen bin wieder von vorne anzufangen…..aber mein bereits erworbenes wissen nutzen kann, durch deinen blog und von alexander reich mit dividende, probier ich jetzt eine abgewandelte aufbau-strategie. darum auch mein kommentar an dieser stelle. ich möchte ja besser werden….

    also hab ich mir in meinem neuen IB-konto (hatte einen kommentar über gebühren geschrieben) einige watchlisten eingerichtet. nach etwas stöbern konnte ich die dividenden ex-tage in der auflistung als spalte einfügen. und nach einiger zeit des betrachtens…tataaaaa, tabelle nach den ex-tagen sortiert. von da an habe ich mein geld einfach in den wert investiert, den ich 1. mir leisten kann und 2. wo das datum nicht allzu weit weg ist

    wie auch schon kommentiert, habe ich derzeit und für 2018 keine großen sparbeträge mehr. aber dank der günstigen gebühren kann ich mir auch mal nur ein paar stücken leisten. und da 10mal 1.-eur dividende auch 10.-eur dividende sind, kaufe ich regelmäßig. ok, die gebühren echt mal aussen vor gelassen. ich hoffe auf den dividenden-turbo in einigen monaten………..

    viele grüße an dieser stelle, den mit sicherheit auch deine neuleser interessant finden

    Dieter

    1. Hi Dieter,

      eigentlich wäre es cleverer nach dem Ex-Dividende Tag zu kaufen, dann bekommst du die Aktien um den Dividendenabschlag günstiger, steigerst deine Dividendenrendite minimal (insgesamt gesehen, wenn du den gesparten Betrag irgendwann ebenfalls investierst) und auf lange Sicht könnte dies ein Vorteil sein. Wir reden hier von wenigen Euros, müsste man spasseshalber mal auf 30 Jahre oder mehr hochrechnen.

      Ich kenne aber den psychologischen Effekt von „die nächste Dividende noch mitnehmen“. Und wenn dieser Effekt dafür sorgt, dass man zur Tat schreitet, anstatt abzuwarten, dann ist es okay. Mach ruhig, Hauptsache du hast Spaß, bleibst dabei und machst einen Schritt nach dem anderen.

      Und bei IB ist wegen der Gebühren in der Tat auch ein Investieren in kleinen Schritten möglich, ohne sich gleich die Gesamtrendite kaputtzumachen. Denk aber immer bitte daran, größere Käufe bleiben weiterhin effektiver auf lange Sicht und sollten das Ziel sein.

      Übrigens für alle Leser, die nur kleine Beträge haben und trotzdem in Einzelaktien gehen wollen. Bei der Consorsbank gibt es aktuell (Stand Dezember 2017) eine Aktion, wo man per Sparplan in Einzelaktien investieren kann und man bekommt noch 25,- EUR Prämie obendrauf!

      Hier: Consorsbank Aktiensparplan ab 25,- EUR plus 25,- EUR Prämie

      Ich selbst habe dort ebenfalls ein Konto eröffnet und bespare nun endlich Visa & Mastercard, da ich die bei der Comdirect nicht im Sparplan bekomme. Bisher macht alles einen sehr guten Eindruck und ich bin zufrieden. Die Kontoeröffnung war inkl. Video-Ident in 5 Minuten erledigt und 2 Tage später konnte ich das Depot in Betrieb nehmen. So muss es sein.

      CU Ingo.

    2. @ Dieter
      ist Du direkt bei IB? Wenn ja kannst Du ja evt. mal den Prozess der Depoteröffnung beschreiben ( Handling, benötigte Dokumente usw.)
      Danke und VG auch an Ingo.

      S

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